Fissurenversiegelung

Fissurenversiegelung ist eine schmerzfreie zahnärztliche Vorsorgemaßnahme, bei der die tiefen Furchen der bleibenden Backenzähne mit einem dünnflüssigen Kunststoff verschlossen werden, damit sich dort keine Karies bilden kann.

Idealer Zeitpunkt: ein bis zwei Jahre nach Durchbruch des Zahnes, solange die Kaufläche frei zugänglich ist.
Schmerzfrei, ohne Bohrer und ohne Betäubung. Der Zahn wird gereinigt, getrocknet, angeätzt, versiegelt und ausgehärtet.
Sachleistung der Krankenkassen für die bleibenden Backenzähne bei Kindern und Jugendlichen unter 18.
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Inhaltsverzeichnis

Warum der erste bleibende Backenzahn besonderen Schutz braucht

Der erste bleibende Backenzahn bricht bei den meisten Kindern um das sechste Lebensjahr durch, und zwar so unauffällig, dass viele Eltern den Moment gar nicht bemerken. Er schiebt sich hinter dem letzten Milchzahn aus dem Kiefer, ohne dass dafür ein Milchzahn ausfallen müsste. Deshalb wird er oft mit einem Milchzahn verwechselt, der ohnehin bald wieder geht. Doch dieser Zahn ist von Anfang an ein bleibender Zahn. Er soll ein ganzes Leben lang kauen, mahlen und zerkleinern, im Idealfall sieben, acht Jahrzehnte. Kein anderer Zahn im Mund trägt eine so lange Aufgabe von einem so frühen Zeitpunkt an.

Das Problem steckt in seiner Kaufläche. Sie ist von tiefen Furchen durchzogen, den sogenannten Fissuren, und manche dieser Furchen sind enger als jede Zahnbürstenborste. Wo keine Borste hineinkommt, kann auch keine noch so gründliche Putztechnik reinigen. In diesen Nischen sammeln sich Speisereste und Bakterien, und gerade an einem frisch durchgebrochenen Zahn entsteht hier die erste Karies oft schon in den ersten Monaten. Eine Fissurenversiegelung setzt genau an diesem Punkt an. Sie verschließt die Furchen mit einem dünnflüssigen, lichthärtenden Kunststoff, bevor sich Bakterien dort festsetzen können, und bringt den Zahn so durch seine kritische Anfangszeit.

Was eine Fissur so anfällig für Karies macht

Die Form einer Backenzahnkaufläche ist nicht zufällig. Höcker übernehmen das Zermahlen der Nahrung, Furchen leiten das zerkleinerte Gut in Richtung Zungenrücken. Diese Furchen sind in der Regel sehr eng. Eine durchschnittliche Borste einer Handzahnbürste hat einen Durchmesser von etwa 0,2 Millimetern, eine tiefe Fissur kann unter 0,1 Millimeter messen. Sobald die Borste nicht mehr in die Furche passt, ist eine mechanische Reinigung an dieser Stelle praktisch unmöglich. Bakterien, die in der Tiefe der Fissur leben, sind vor der Zahnbürste weitgehend geschützt, und auch Speichel und Fluorid erreichen sie dort nur eingeschränkt.

Hinzu kommt eine biologische Eigenschaft frisch durchgebrochener Zähne. Der Zahnschmelz ist in den ersten ein bis zwei Jahren nach dem Durchbruch noch nicht voll mineralisiert. Diese Phase nennt man posteruptive Schmelzreifung. In dieser Zeit ist der Zahn besonders empfindlich gegenüber Säureangriffen, und eine Karies entwickelt sich deutlich schneller als an einem voll ausgereiften Schmelz. Die Kombination aus engen Fissuren und unreifem Schmelz macht den ersten bleibenden Backenzahn zu einem der kariesgefährdetsten Zähne im gesamten Gebiss. Wer ihn in dieser Phase schützt, gewinnt einen Vorsprung, den man später kaum noch aufholen kann.

Welche Zähne wir versiegeln und in welchem Alter

Versiegelt werden in erster Linie die bleibenden Backenzähne, also die ersten Molaren, die mit etwa sechs Jahren durchbrechen, und die zweiten Molaren, die etwa mit zwölf Jahren folgen. In Einzelfällen versiegeln wir auch Prämolaren, wenn sie sehr tiefe Fissuren aufweisen oder wenn bei einem Kind ein erhöhtes Kariesrisiko besteht. Milchzähne versiegeln wir nur in Ausnahmefällen, vor allem dann, wenn ein Kind ein deutlich erhöhtes Kariesrisiko hat oder wenn die Mundhygiene aus entwicklungsbedingten oder gesundheitlichen Gründen schwierig ist.

Der ideale Zeitpunkt liegt in den ersten ein bis zwei Jahren nach dem Durchbruch des jeweiligen Zahnes, sobald die Kaufläche vollständig sichtbar und gut zugänglich ist. Wer länger wartet, riskiert, dass sich in der Furche bereits eine kleine, noch nicht eindeutig erkennbare Karies gebildet hat. Versiegelt man dann darüber, schließt man die Karies ein. Aus diesem Grund prüfen wir die Fissuren bei der Befundaufnahme sorgfältig und greifen bei Verdacht auf eine beginnende Karies zur erweiterten Fissurenversiegelung, bei der der oberflächliche Schmelz minimal abgetragen wird, um die Karies sicher zu entfernen, bevor wir versiegeln. Welche Variante für Ihr Kind richtig ist, klären unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte am Befund.

Wie die Versiegelung in der Zahnzauberwelt abläuft

Eine Fissurenversiegelung ist für ein Kind einer der unkompliziertesten Termine, die ein Kinderzahnarzt anbieten kann. Sie ist schmerzfrei, dauert je Zahn nur wenige Minuten und kommt ohne Betäubung und ohne Bohrer aus. Genau diese Eigenschaften nutzen wir in der Zahnzauberwelt, um Kindern eine positive erste Erfahrung mit einem Behandlungsablauf zu geben.

Der Ablauf folgt einem klaren Protokoll. Zuerst reinigen wir die Kaufläche gründlich mit einem rotierenden Polierbürstchen und einer fluoridhaltigen Paste. Dann trocknen wir den Zahn sorgfältig und legen einen Schutz aus Watterollen, damit kein Speichel die Versiegelung später unterläuft. Wir ätzen die Kaufläche kurz mit einem Säuregel an, das die Mikrostruktur des Zahnschmelzes für die spätere Bindung freilegt, spülen ab und trocknen erneut. Anschließend versiegeln wir, indem der dünnflüssige Kunststoff in die Fissuren fließt und sich in jede kleine Vertiefung modelliert. Mit einer Polymerisationslampe härten wir das Material innerhalb weniger Sekunden aus, und nach einer letzten Kontrolle des Bisses mit Kontaktpapier ist der Termin abgeschlossen.

Wir nehmen uns für die Versiegelung trotzdem mehr Zeit, als der reine Eingriff dauert. Wir zeigen dem Kind die Instrumente vorher, lassen es das Polierbürstchen am Finger spüren und erklären jeden Schritt in altersgerechten Worten. Die ersten zahnärztlichen Termine prägen die Einstellung zur Zahnmedizin oft für ein ganzes Leben. Wir wollen, dass ein Kind unsere Praxis als sicheren Ort erlebt, an dem nichts wehtut.

Ein Schutz mit messbarem Effekt

Eine korrekt eingebrachte Fissurenversiegelung kann das Kariesrisiko an den versiegelten Zähnen deutlich senken. Wie groß der Effekt im Einzelfall ausfällt, hängt von zwei Faktoren ab, der Qualität der Verarbeitung und der Nachsorge. Über die Verarbeitung entscheidet vor allem die Trockenlegung. Eine Versiegelung, die unter Speichelkontamination eingebracht wurde, hat eine geringere Lebensdauer und löst sich schneller ab. Wir arbeiten deshalb sehr sorgfältig mit Watterollen, Speichelsauger und bei kooperativen Kindern gegebenenfalls mit Kofferdam.

Eine Versiegelung ist keine einmalige Maßnahme, die man danach vergessen kann. Bei den regelmäßigen Kontrollterminen prüfen wir ihren Zustand mit Sonde und Sichtbefund. Unter der täglichen Kaubelastung kann ein Teil der Versiegelung mit den Jahren abnutzen oder absplittern. In den meisten Fällen reicht dann eine kleine Nachversiegelung, ohne dass die ganze Schicht erneuert werden muss. Genau dafür gehört die Versiegelung in ein verlässliches Kontrollintervall, wie wir es im Rahmen unserer Prophylaxe mit jeder Familie abstimmen.

Die Versiegelung ersetzt das Zähneputzen nicht

Eine Fissurenversiegelung ist ein wirksamer Teil der Kinderprophylaxe, aber sie ist kein Ersatz für eine konsequente häusliche Mundhygiene. Das Zähneputzen bleibt der Kern der Vorsorge. Die Versiegelung schützt die Kaufläche, nicht aber die Zahnzwischenräume und nicht die glatten Außenflächen. Eine Karies, die zwischen zwei Zähnen entsteht, hat mit der Versiegelung nichts zu tun. Hier helfen Zahnseide ab dem ersten Berührungspunkt zweier Zähne, eine fluoridhaltige Zahnpasta in altersgerechter Konzentration und ein konsequentes Recall-Intervall mit professioneller Zahnreinigung.

Auch die Ernährung bleibt entscheidend. Häufiger Konsum zuckerhaltiger Getränke, Klebriges zwischen den Mahlzeiten und säurehaltige Snacks erhöhen das Kariesrisiko unabhängig vom Zustand der Fissuren. Wir geben Eltern in der Beratung konkrete Tipps für den Alltag, die ohne Verbote auskommen und das Risiko trotzdem spürbar senken. Versiegelung, Putzen, Fluorid und Ernährung greifen ineinander, und keiner dieser Punkte ersetzt einen der anderen.

Wo die Versiegelung an ihre Grenzen kommt

Wenn ein Zahn bereits eine sichtbare Karies in der Fissur hat, ist die einfache Versiegelung nicht mehr die richtige Maßnahme. In diesem Fall ist eine erweiterte Fissurenversiegelung mit minimalinvasiver Entfernung der Karies oder eine kleine Komposit-Füllung die bessere Wahl. Wir prüfen jeden Zahn vor der Versiegelung mit einem Sondierer und bei Bedarf mit einer Karies-Erkennungslösung, um sicher zu sein, dass die Furche sauber ist. Eine Versiegelung über einer übersehenen Karies hätte den umgekehrten Effekt, weil sie die Erkrankung im Verborgenen weiterlaufen lassen würde.

Bei sehr flachen Fissuren, die nur eine geringe Tiefe haben, ist die Versiegelung weniger dringend. Hier reicht oft eine gute Putztechnik und ein Recall-Intervall, das dem individuellen Kariesrisiko angepasst ist. Ob und welche Zähne bei Ihrem Kind versiegelt werden sollten, beurteilen unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte bei der nächsten Kontrolle in der Hildesheimer Straße 25 in Hannover-Südstadt am konkreten Befund.

Was die Versiegelung in Deutschland kostet

Die Fissurenversiegelung der ersten und zweiten bleibenden Backenzähne ist in Deutschland eine Sachleistung der gesetzlichen Krankenkassen und für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Geburtstag ohne Eigenanteil. Voraussetzung ist die entsprechende Indikation, die wir bei der Befundaufnahme dokumentieren. Eine zusätzliche Versiegelung der Prämolaren oder eine Versiegelung im Erwachsenenalter ist dagegen eine private Zusatzleistung.

Für privat versicherte Patientinnen und Patienten richtet sich die Abrechnung nach der Gebührenordnung für Zahnärzte. Bei Kindern mit Beihilfeanspruch greifen die jeweiligen Beihilfeverordnungen, die wir Ihnen vor dem Termin erläutern. Die Kosten richten sich nach BEMA für gesetzlich Versicherte und der Gebührenordnung GOZ für privat berechnete Anteile. Den exakten Eigenanteil und einen eventuellen Kassenzuschuss kalkulieren wir vor der Behandlung gemeinsam in einem schriftlichen Heil- und Kostenplan, sodass Sie vor jeder Zusatzleistung wissen, was auf Sie zukommt.

Dieser Beitrag ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Ob die hier beschriebene Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist und welcher Behandlungsweg zu Ihrer individuellen Situation passt, klären wir gemeinsam mit Ihnen anhand des Befunds in einem persönlichen Termin in der Hildesheimer Straße 25 in Hannover-Südstadt.

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Alter ist eine Fissurenversiegelung sinnvoll?

Wir versiegeln die bleibenden Backenzähne ein bis zwei Jahre nach ihrem Durchbruch. Die ersten Molaren brechen mit etwa sechs Jahren durch, die zweiten Molaren mit etwa zwölf Jahren. In Einzelfällen versiegeln wir früher, etwa bei sehr tiefen Fissuren oder erhöhtem Kariesrisiko. Milchzähne versiegeln wir nur in Ausnahmefällen.

Tut die Versiegelung weh?

Nein. Die Versiegelung ist schmerzfrei, kommt ohne Bohrer und ohne Betäubung aus und dauert pro Zahn nur wenige Minuten. Wir reinigen die Kaufläche, ätzen sie kurz mit einem Säuregel an, spülen ab und tragen den dünnflüssigen Kunststoff auf. Anschließend härten wir das Material mit einer Polymerisationslampe aus.

Übernimmt die Krankenkasse die Versiegelung?

Ja, für die ersten und zweiten bleibenden Backenzähne bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Geburtstag ist sie eine Sachleistung ohne Eigenanteil. Eine zusätzliche Versiegelung der Prämolaren oder eine Versiegelung im Erwachsenenalter ist eine private Zusatzleistung. Den Eigenanteil dafür besprechen wir vorher in einem schriftlichen Heil- und Kostenplan.

Wie lange hält eine Fissurenversiegelung?

Eine sorgfältig eingebrachte Versiegelung hält in der Regel mehrere Jahre, oft bis ins Erwachsenenalter. Entscheidend ist die saubere Trockenlegung beim Einbringen. Bei den regelmäßigen Kontrollen prüfen wir den Zustand und ergänzen kleine Defekte mit einer Nachversiegelung, ohne dass die ganze Schicht erneuert werden muss.

Ersetzt die Versiegelung das Zähneputzen?

Nein. Die Versiegelung schützt die Kaufläche, aber nicht die Zahnzwischenräume oder die glatten Außenflächen. Konsequente Mundhygiene mit fluoridhaltiger Zahnpasta, Zahnseide ab dem ersten Berührungspunkt zweier Zähne und ein passendes Recall-Intervall bleiben die Basis der Kinderprophylaxe. Auch Ernährung und Ess-Frequenz beeinflussen das Kariesrisiko.

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