Funktionsdiagnostik (CMD)

Funktionsdiagnostik bezeichnet die strukturierte Untersuchung von Kiefergelenken, Kaumuskulatur und Bisslage zur Abklärung einer craniomandibulären Dysfunktion CMD, die Schmerzen, Knacken oder Bewegungseinschränkungen auslösen kann.

Typische CMD-Symptome: morgendliche Kopfschmerzen, Knacken im Kiefergelenk, Spannungen im Nacken, eingeschränkte Mundöffnung.
Die Anamnese ist der diagnostisch wichtigste Schritt, nicht der erste Blick in den Mund.
Erstlinientherapie ist die reversible Schiene mit physiotherapeutischer Begleitung, nicht die Bisseinschleifung.
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Inhaltsverzeichnis

Wenn der Hausarzt nichts mehr findet und die Schmerzen bleiben

Chronische Kopfschmerzen in den Schläfen, ein Ziehen in den Nacken, ein Knacken im Kiefergelenk beim Frühstück: Diese Kombination bleibt oft über Monate unerklärt, weil sie in keiner einzelnen Fachrichtung vollständig aufgeht. Internistisch unauffällig, MRT der Halswirbelsäule ohne Befund, Augenarzt ohne Befund, Physiotherapie mit nur kurzfristiger Wirkung. Erst wenn nichts mehr zu finden ist, kommt das Kausystem in den Blick. Hier setzt die Funktionsdiagnostik an. Sie ist die strukturierte Untersuchung des kompletten Kausystems mit dem Ziel, die Ursache solcher Beschwerden zu finden, oder belastbar zu sagen, dass sie nicht im Kausystem liegt.

In unserer Praxis in der Hildesheimer Straße 25 in Hannover-Südstadt ist die Funktionsdiagnostik ein eigenes Aufgabenfeld. Dr. Hilmar Teschner, Schwerpunkt Sport- und Funktionszahnmedizin, koordiniert diese Untersuchung gemeinsam mit dem Team. Wir besprechen vor jeder Sitzung, was wir untersuchen, warum, und welche Konsequenz aus welchem Befund folgt.

Was eine craniomandibuläre Dysfunktion eigentlich ist

Der Begriff craniomandibuläre Dysfunktion, abgekürzt CMD, fasst eine Reihe von Beschwerden zusammen, die das Kiefergelenk, die Kaumuskulatur, die Verbindung zur Halswirbelsäule und teilweise auch das Innenohr betreffen. Typisch sind drei Beschwerdebilder, die einzeln oder kombiniert auftreten:

  • Muskuläre Schmerzen: ein dumpfes Ziehen in den Schläfen, an den Kaumuskeln vor dem Ohr, an den Wangen und im Nacken, häufig morgens am stärksten
  • Gelenkgeräusche: Knacken oder Reiben beim Mundöffnen, manchmal mit dem Gefühl, dass der Kiefer kurz hängenbleibt
  • Bewegungseinschränkungen: kleiner werdende Mundöffnung, seitliches Abweichen des Kiefers beim Öffnen oder ein nicht reibungslos verlaufendes Schliessen

Häufige Begleitsymptome sind Tinnitus, ein dumpfes Druckgefühl im Ohr, Schwindel, Spannungskopfschmerz und nicht selten ein gestörter Schlaf. CMD ist selten eine einzelne Krankheit, sondern eher eine Endstrecke, an der mehrere Faktoren zusammenkommen: nächtliches Pressen oder Knirschen, Stress, Fehlbisse durch verlorene oder lange nicht ersetzte Zähne, Haltung, Schlafposition, manchmal auch unbemerkte Atemstörungen. Wer mit unklaren Schmerzen lebt, deren Spur sich nirgendwo anders findet, sollte die Frage nach einer CMD früh stellen.

Wie wir die Funktionsdiagnostik in unserer Praxis aufbauen

Eine sinnvolle Funktionsdiagnostik beginnt nicht im Mund, sondern im Gespräch. Wir nehmen uns dafür ausdrücklich Zeit, weil die Anamnese der diagnostisch wichtigste Schritt ist. Wir fragen nach dem zeitlichen Verlauf der Beschwerden, nach Tageszeit-Mustern, nach beruflicher Belastung, Schlaf, Stress, früheren Unfällen, Halswirbelsäulen-Beschwerden, Kopfschmerz-Anamnese, Bruxismus-Verdacht, Schlafapnoe-Hinweisen und früheren zahnärztlichen oder kieferorthopädischen Behandlungen. Daraus entsteht ein erstes Bild, das die Untersuchung anschließend präzisiert.

Es folgt die klinische Funktionsanalyse. Wir tasten beidseits die Kaumuskeln und die Schläfenmuskulatur ab und vergleichen die Druckdolenz, die Schmerzauslösung an typischen Triggerpunkten. Wir hören und tasten beim Öffnen und Schließen die Kiefergelenke, prüfen die maximale Mundöffnung, die Lateralbewegung nach rechts und links, die Protrusion, also das Vorwärtsschieben des Unterkiefers, und beobachten, ob der Kiefer auf einer Bahn öffnet oder ob er ausweicht. Wir prüfen den Biss, suchen nach Vorkontakten, Schliffspuren am Zahnschmelz, Risssen und Abplatzungen, Eindellungen an den Zungenrändern, sowie nach Anzeichen für nächtliches Knirschen. Bei Bedarf führen wir Provokationstests durch, mit denen wir prüfen, ob ein Schmerz aus dem Gelenk oder aus der Muskulatur stammt. Auch die Halswirbelsäulen-Beweglichkeit gehört dazu, weil das System Kopf, Kiefer und Halswirbelsäule eine funktionelle Einheit bildet.

Wenn die klinische Untersuchung Hinweise auf einen strukturellen Gelenkbefund gibt, ergänzen wir bildgebende Verfahren. Eine DVT-Aufnahme zeigt knöcherne Veränderungen an den Gelenkköpfchen, eine MRT-Aufnahme beim radiologischen Kollegen zeigt Diskusverlagerungen oder Reizergüsse, also Aussagen zum Weichgewebe, die im DVT nicht erkennbar sind. Wir nutzen diese Bildgebung gezielt, nicht routinemäßig, weil sie nur dann nützlich ist, wenn aus dem Befund eine therapeutische Konsequenz folgt.

Wie wir Bisslage und Bewegungsmuster digital erfassen

Bei komplexeren Fällen führen wir eine instrumentelle Funktionsanalyse durch. Wir registrieren Ihre Bisslage in einer reproduzierbaren Position und übertragen diese Information in einen virtuellen Artikulator, der die Bewegungen Ihres Unterkiefers nachvollzieht. Mit einer digitalen Abformung erfassen wir die Zahnreihen exakt. Im virtuellen Artikulator simulieren wir die Bewegungen, sehen, an welchen Stellen Vorkontakte auftreten und wo die Belastung der Zahnreihen ungleich verteilt ist. Diese Analyse ist die Grundlage für eine Schienentherapie, die wir individuell auf Ihre Anatomie und Ihr Bewegungsmuster abstimmen.

Wir setzen die instrumentelle Diagnostik dort ein, wo sie eine therapeutische Frage beantwortet. Bei einer ersten klaren CMD mit muskulärer Hauptkomponente reicht oft die klinische Untersuchung mit einer schlichten Aufbiss-Schiene als ersten Schritt. Bei chronischen, komplexen oder rezidivierenden Verläufen lohnt sich die genauere Analyse, weil sie das Ergebnis vorhersagbarer macht.

Welche Therapie aus der Diagnostik folgt

Die Therapie hängt vom Befund ab und ist meist mehrgleisig. Eine Aufbiss-Schiene oder Knirschschiene aus harten Kunststoff trägt der Patient nachts. Sie verhindert die direkten Schliffspuren der Zähne, entlastet die Kaumuskulatur und entlastet das Kiefergelenk in einer für ihn ruhigen Position. Bei einer reinen Schnarchproblematik mit gleichzeitiger CMD-Komponente ist eine Schnarchschiene mit Vorverlagerung des Unterkiefers eine andere Variante, deren Indikation wir individuell prüfen. Eine schlechtsitzende Schiene kann eine CMD verstärken, deshalb fertigen wir Schienen immer auf Basis der Funktionsdiagnostik und passen sie in den Kontrollterminen an.

Parallel zur Schiene empfehlen wir oft eine physiotherapeutische Begleitbehandlung bei einem auf Kiefer und Halswirbelsäule spezialisierten Therapeuten. Die Bewegungsmuster, die im Kausystem festgefahren sind, lösen sich erst durch gezielte manuelle Therapie. Bei stark ausgeprägten muskulären Komponenten kann eine kurze pharmakologische Schmerztherapie sinnvoll sein, abgestimmt mit dem Hausarzt. Bei psychosozialen Stress-Faktoren ist eine Verhaltenstherapie der wirksamste Hebel, weil das nächtliche Pressen häufig eine Stressentladung ist. Die wenigsten Patienten brauchen eine zahnärztliche Bisseinstellung mit Einschleifen oder prothetischer Bissrekonstruktion. Wir gehen damit besonders zurückhaltend um, weil eine einmal eingeschliffene Höckergeometrie nicht zurückzuholen ist.

Was Funktionsdiagnostik in unserer Praxis kostet

Die Kosten richten sich nach BEMA für gesetzlich Versicherte und der Gebührenordnung GOZ für privat berechnete Anteile. Eine umfassende klinische Funktionsanalyse ist im gesetzlichen Leistungskatalog nicht vorgesehen. Sie ist in der Regel eine private Zusatzleistung. Die Initialdiagnostik liegt typischerweise zwischen 250 und 600 Euro, abhängig vom Aufwand, von der Anzahl der dokumentierten Befunde und davon, ob eine instrumentelle Analyse mit virtuellem Artikulator dazukommt. Eine Knirsch- oder Schnarchschiene wird mit etwa 300 bis 600 Euro kalkuliert, je nach Konstruktion. Den exakten Eigenanteil und einen eventuellen Kassenzuschuss kalkulieren wir vor der Behandlung gemeinsam in einem schriftlichen Heil- und Kostenplan.

Privat versicherte Patientinnen und Patienten erhalten die Leistung in den meisten Tarifen erstattet, in einigen Tarifen mit einer jährlichen Höchstsumme. Eine Nachfrage bei der Versicherung vor dem Behandlungsbeginn lohnt sich.

Was nicht zur Funktionsdiagnostik gehört

Wir ordnen die CMD-Diagnostik bewusst nicht alternativen Verfahren zu, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht ausreichend belegt ist. Bestimmte Methoden, etwa elektronische Kraftmessverfahren ohne klinische Korrelation oder kinesiologische Tests, halten wir für die Diagnostik einer CMD nicht für aussagekräftig. Wir orientieren uns an den Empfehlungen der zahnärztlichen Fachgesellschaften und an der aktuellen Patienteninformation des Bundesgesundheitsministeriums zu Funktionsstörungen. Wenn ein Befund auf eine andere Ursache deutet, etwa Migräne, Halswirbelsäulen-Pathologie oder eine Atemstörung, weisen wir Sie an die richtige Fachdisziplin weiter und arbeiten interdisziplinär.

Warum die Reihenfolge wichtig ist

Wir erleben es regelmäßig, dass Patientinnen und Patienten mit CMD-Verdacht zuerst eine umfangreiche zahnärztliche Versorgung erhalten haben, weil ein Vorkontakt eingeschliffen oder eine Krone neu gestaltet wurde, ohne dass die Funktion vorher beurteilt war. Manchmal hilft das. Häufig nicht. Wir empfehlen, mit der konservativen Stufenleiter zu beginnen: ehrliche Anamnese, klinische Funktionsanalyse, eine reversible Schiene, physiotherapeutische Begleitung und genug Zeit für Veränderung. Erst wenn diese Stufe nach mehreren Monaten klar zeigt, dass die Bisslage selbst Teil des Problems ist, sprechen wir über eine prothetische Korrektur. Diese Reihenfolge ist anstrengender, aber sie schützt Sie vor irreversiblen Eingriffen, die später nicht mehr rückgängig zu machen sind.

Welche Schritte in Ihrem Fall sinnvoll sind, klären wir gemeinsam mit Ihnen anhand des Befunds in einem persönlichen Termin in der Hildesheimer Straße 25.

Dieser Beitrag ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Ob die hier beschriebene Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist und welcher Behandlungsweg zu Ihrer individuellen Situation passt, klären wir gemeinsam mit Ihnen anhand des Befunds in einem persönlichen Termin in der Hildesheimer Straße 25 in Hannover-Südstadt.

Häufig gestellte Fragen

Wie merke ich, dass meine Beschwerden vom Kiefer kommen könnten?

Typische Hinweise sind morgendliche Kopfschmerzen, Knacken im Kiefergelenk beim Öffnen, Spannungen vor dem Ohr, eingeschränkte Mundöffnung oder seitliche Abweichung beim Öffnen, Druck im Ohr und Schliffspuren an den Zähnen. Wenn andere Fachrichtungen die Beschwerden nicht erklären können und ein Zusammenhang mit Kauen oder Stress besteht, ist eine Funktionsdiagnostik sinnvoll.

Wie läuft eine Funktionsdiagnostik bei Ihnen ab?

Wir beginnen mit einer ausführlichen Anamnese, untersuchen anschließend Kaumuskulatur, Kiefergelenke, Bisslage und Bewegungsmuster. Bei Bedarf ergänzen wir bildgebende oder instrumentelle Verfahren. Im Anschluss besprechen wir mit Ihnen den Befund und entwickeln eine therapeutische Stufenleiter, meist beginnend mit einer reversiblen Schiene und Physiotherapie.

Hilft eine Schiene gegen meine Kopfschmerzen?

In vielen Fällen ja, wenn die Beschwerden eine muskuläre CMD-Komponente haben und nächtliches Pressen oder Knirschen mitspielt. Eine individuell gefertigte Aufbiss-Schiene entlastet die Muskulatur und das Kiefergelenk in der Nacht. Wir kombinieren die Schiene meist mit Physiotherapie, weil die festgefahrenen Bewegungsmuster sich gemeinsam besser lösen.

Übernimmt die Krankenkasse die Funktionsdiagnostik?

Eine umfassende klinische Funktionsanalyse mit Dokumentation aller Befunde ist in der gesetzlichen Krankenversicherung in der Regel keine Standardleistung. Eine Aufbiss-Schiene wird in vielen Fällen anteilig erstattet. Privat versicherte Patientinnen und Patienten erhalten die Leistung in den meisten Tarifen erstattet. Den genauen Anteil klären wir vor der Behandlung schriftlich.

Brauche ich eine Bissrekonstruktion, wenn ich CMD habe?

Nur sehr selten und nicht als erster Schritt. Die Erstlinie ist die reversible Schienentherapie, ergänzt durch Physiotherapie und Stressbewältigung. Eine prothetische Bissrekonstruktion ist erst sinnvoll, wenn nach mehreren Monaten klar ist, dass die Bisslage selbst Teil des Problems ist und nicht nur die muskuläre Anspannung. Wir gehen damit zurückhaltend um.

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