Eine alte Krone fällt heraus, und plötzlich geht alles schnell
Ein Patient kommt am Vormittag in die Praxis und legt eine kleine, leicht abgenutzte Goldkrone in einer Tüte auf den Tresen. Sie sei beim Frühstück mit dem Brötchen herausgefallen. Er habe darunter keine Schmerzen, der Zahn fühle sich nur ungewohnt rau an. Sein Hauptanliegen: Er müsse am späten Nachmittag zu einem Termin in Hamburg, ob das jetzt Wochen dauere bis zur Versorgung, ob er vielleicht in einer Sitzung wieder einen geschlossenen Zahn bekommen könne. Wir schauen uns den Zahnstumpf an, prüfen die Substanz, machen ein digitales Bild und sagen ihm, dass das in seinem Fall möglich ist. Drei Stunden später verlässt er die Praxis mit einer fertigen Vollkeramik-Krone, die wir noch im Termin in einer Sitzung gefräst, individualisiert und definitiv eingesetzt haben. Diese Möglichkeit verdankt er einem Verfahren mit dem Namen CEREC.
CEREC steht für Chairside Economical Restoration of Esthetic Ceramics und bezeichnet einen vollständig digitalen Workflow, der die Herstellung einer Krone, eines Inlays oder eines Veneers direkt in der Praxis ermöglicht. Wir setzen CEREC in unserer Praxis in der Hildesheimer Straße 25 in Hannover-Südstadt seit Jahren ein, in vielen Fällen als die Methode der Wahl, in anderen als eine Option neben der klassischen Versorgung mit Laborfertigung. Yasin Schirwath führt den digitalen Workflow in unserer Praxis und entscheidet gemeinsam mit Ihnen, wann CEREC die richtige Wahl ist und wann eine konventionelle Versorgung im Meisterlabor mehr Sinn ergibt.
Was CEREC im Kern ausmacht
Ein CEREC-System besteht aus drei eng miteinander gekoppelten Komponenten. Der erste Schritt ist die digitale Abformung mit einem Intraoralscanner, der die Zahnoberfläche und den präparierten Stumpf in dreidimensionaler Auflösung erfasst. Der zweite Schritt ist die Konstruktion am Computer: Eine spezialisierte CAD-Software berechnet aus dem Datensatz die Form der neuen Krone, des Inlays oder des Veneers, abgestimmt auf die Bisslage, die Nachbarzähne und die Gegenkiefer-Bezahnung. Wir können die vorgeschlagene Form anpassen, die Höcker formen, die Kontaktpunkte zu den Nachbarzähnen feinjustieren, das Bissrelief modellieren. Der dritte Schritt ist die Fertigung in der Schleif- oder Fräseinheit, einer kompakten Maschine, die in der Praxis steht und aus einem Keramikblock die fertige Versorgung herausarbeitet. Je nach Größe und Komplexität dauert dieser Schritt zwischen 15 und 30 Minuten.
Im Anschluss erfolgt die Charakterisierung: Wir glasieren oder bemalen die Krone, brennen sie in einem kleinen Ofen ein und passen die Farbe an die Nachbarzähne an. Bei sehr hohen ästhetischen Ansprüchen, vor allem im sichtbaren Frontzahnbereich, kann es sinnvoll sein, die Versorgung trotzdem im Labor zu fertigen, weil ein erfahrener Zahntechniker mit aufwendiger Schichttechnik feinste Farbnuancen einarbeiten kann. CEREC ist nicht in jedem Fall die ästhetisch optimale Lösung. Sie ist aber in vielen Fällen eine sehr gute, mit dem zusätzlichen Vorteil der einzigen Sitzung.
Welche Materialien CEREC einsetzt
Der Schlüssel zu einer guten CEREC-Versorgung liegt in der Wahl des richtigen Keramikblocks. Es gibt mehrere Klassen von Materialien, die im Verfahren genutzt werden. Lithiumdisilikat-Keramik, etwa unter dem Markennamen IPS e.max, ist eine Glaskeramik mit hoher Festigkeit und ausgezeichneter Ästhetik. Sie eignet sich für Einzelkronen, Inlays, Onlays und Veneers. Hybridkeramik, eine Mischung aus Keramik und Polymer, ist etwas weicher und dadurch schonender für den Gegenkieferzahn, eignet sich aber nicht für jede Indikation. Zirkonoxid-Keramik ist die festeste Variante und kommt vor allem für Brücken und Kronen im Seitenzahnbereich zum Einsatz. Welches Material in Ihrem Fall die richtige Wahl ist, hängt vom Zahn, von der Bisslage, von der Substanzausdehnung und von ästhetischen Anforderungen ab.
Die Farbabstimmung erfolgt vor dem Schleifen. Wir bestimmen die Farbe Ihrer Nachbarzähne mit einer Farbskala oder digital, wählen einen Block in entsprechender Grundfarbe und passen die endgültige Charakterisierung im Glasur- oder Malbrand an. Die Farbnuancen, die wir damit erreichen, sind im Seitenzahnbereich und bei den meisten Frontzahnsituationen ausreichend, um die Versorgung von den Nachbarzähnen kaum unterscheidbar zu machen.
Wofür CEREC sinnvoll ist und wofür weniger
Die typische CEREC-Indikation ist die Einzelversorgung im Seitenzahnbereich: ein Backenzahn nach Wurzelbehandlung, ein Zahn mit großer Karies, der eine Inlay- oder Onlay-Versorgung braucht, ein abgebrochener Höcker, ein gelockerter alter Aufbau. In diesen Situationen liefert CEREC eine vollwertige, langlebige Versorgung, in der Regel ohne Provisorium und ohne mehrwöchige Wartezeit. Die Belastbarkeit moderner CEREC-Kronen aus Lithiumdisilikat oder Zirkonoxid liegt im klinischen Einsatz nahe an der einer konventionellen Laborkrone.
Ein zweiter sinnvoller Bereich sind Veneers im Frontzahnbereich, sofern keine sehr aufwendige individuelle Schichtung gewünscht ist. Auch Implantatkronen auf Einzelimplantaten lassen sich heute oft im CEREC-Workflow umsetzen. Bei Brücken über mehrere Zähne, vor allem mit hohen ästhetischen Anforderungen oder über Implantate, arbeiten wir je nach Indikation entweder mit dem CEREC-System oder mit einem Meisterlabor zusammen. Bei sehr komplexen Frontzahn-Versorgungen, bei denen Lichtreflexe, Transluzenz und mehrschichtige Farbtiefe das Ergebnis tragen, ist die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Zahntechniker oft die ehrliche Empfehlung. CEREC ist ein Werkzeug, kein Allheilmittel.
Wie ein typischer CEREC-Termin abläuft
Sie kommen in der Regel zu einem einzigen Termin von etwa zwei bis drei Stunden. Wir beginnen mit einer lokalen Betäubung, präparieren den Zahn nach den gleichen Prinzipien wie für eine konventionelle Versorgung, also so substanzschonend wie möglich, aber so weit wie für eine sichere Verankerung der Krone nötig. Bei einer Inlay- oder Onlay-Versorgung ist die Substanzentfernung deutlich geringer, wir entfernen nur die Karies und schaffen eine geeignete Klebefläche. Anschließend folgt der Scan mit dem Intraoralscanner. Der Scan dauert wenige Minuten, Sie sehen das digitale Modell parallel auf dem Bildschirm wachsen.
Während Sie kurz Pause machen, eine Kleinigkeit trinken oder sich entspannen, übernehmen wir die Konstruktion der Versorgung am Computer. Wir wählen das Material, prüfen die Bisslage, justieren Kontaktpunkte und Höckerneigungen. Dann startet die Fräseinheit. Während die Maschine läuft, können wir mit Ihnen weitere Details besprechen oder die Behandlung pausieren. Das gefräste Werkstück wird anschließend ausgepasst, charakterisiert, glasiert und gebrannt. Das Einsetzen erfolgt mit einem adhäsiven Klebersystem, das die Versorgung dauerhaft mit dem Zahn verbindet. Bei dieser Klebung setzen wir oft einen Kofferdam ein, weil eine speichelfreie Klebefläche die Haltbarkeit der Versorgung erheblich erhöht. Am Ende des Termins beißen Sie kurz auf einer Folie zu, wir kontrollieren die Bisslage, polieren die Versorgung und verabschieden Sie mit einem fertig versorgten Zahn.
Vorteile und Grenzen aus Patientensicht
Der größte Patientennutzen ist der Zeitvorteil. Eine Versorgung in einer Sitzung erspart einen zweiten Termin, das Provisorium und die Tage dazwischen, in denen das Provisorium herausfallen oder Beschwerden machen kann. Wer beruflich oder privat einen engen Terminplan hat, profitiert davon erheblich. Hinzu kommen weniger Abdrücke, kein Würgereiz durch Abformpaste, in der Regel keine zweite Betäubung. Wer einen ausgeprägten Würgereiz hat, erlebt die digitale Abformung als deutlichen Komfortgewinn.
Es gibt aber auch Grenzen. Bei sehr aufwendigen ästhetischen Anforderungen im Frontzahnbereich kann das Labor mit individueller Schichttechnik ein nuancenreicheres Ergebnis liefern als der CEREC-Glasurbrand. Bei großen Konstruktionen über viele Zähne ist die Zusammenarbeit mit einem Meisterlabor oft die robustere Lösung. Bei sehr eingeschränkter Mundöffnung kann das Scanning erschwert sein. Wir bewerten in jedem Einzelfall, ob CEREC die richtige Methode ist oder ob die konventionelle Versorgung die bessere Wahl wäre. Diese Bewertung machen wir mit Ihnen offen, transparent und mit klarer Empfehlung.
Was eine CEREC-Versorgung in Deutschland kostet
Die Kosten einer CEREC-Versorgung richten sich nicht nach dem verwendeten Verfahren, sondern nach der Versorgung selbst. Eine Krone, ein Inlay oder ein Veneer wird nach BEMA für gesetzlich Versicherte und nach GOZ für privat berechnete Anteile abgerechnet. Eine vollkeramische Krone bewegt sich häufig im Bereich von 500 bis 1.200 Euro Eigenanteil, ein Inlay oder Onlay zwischen 350 und 700 Euro. Die exakte Höhe hängt von Material, Aufwand und Versicherungssituation ab. Bei gesetzlich Versicherten leistet die Kasse einen Festzuschuss für die Regelversorgung; den darüber hinausgehenden Anteil tragen Sie privat. Bei privat Versicherten richtet sich die Erstattung nach Tarif. Wir besprechen vor der Behandlung in einem schriftlichen Heil- und Kostenplan, welche Kosten auf Sie zukommen und welcher Anteil von der Krankenkasse oder privaten Versicherung übernommen wird.
Welche Versorgung in Ihrem Fall sinnvoll ist und ob das CEREC-Verfahren in der konkreten Situation der richtige Weg ist, klären wir gemeinsam, anhand des Befunds bei Ihrem nächsten Termin in der Hildesheimer Straße 25.
Dieser Beitrag ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Ob die hier beschriebene Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist und welcher Behandlungsweg zu Ihrer individuellen Situation passt, klären wir gemeinsam mit Ihnen anhand des Befunds in einem persönlichen Termin in der Hildesheimer Straße 25 in Hannover-Südstadt.