Empfindliche Zähne

Empfindliche Zähne, fachsprachlich Dentinhypersensibilität, sind kurze, scharfe Schmerzreaktionen auf Kälte, Wärme, Süßes oder Saures, die meist durch freiliegende Zahnhälse mit offenen Dentinkanälchen ausgelöst werden.

Schmerzempfindlichkeit entsteht über offene Dentinkanälchen am freiliegenden Zahnhals. Die hydrodynamische Theorie nach Brännström erklärt den Schmerzmechanismus.
Häufigste Ursachen sind Zahnfleischrezession, Säureerosionen, Putzfehler und nichtkariöse Zahnhalsdefekte. Eine genaue Anamnese ist die Grundlage jeder Therapie.
Behandlungsoptionen reichen von angepasster Putztechnik und Sensitiv-Zahnpasta über Fluoridlack bis zu zahnfarbenen Komposit-Aufbauten und einer Knirschschiene bei Bruxismus.
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Inhaltsverzeichnis

Was empfindliche Zähne medizinisch bedeuten

Das Dentin unter dem Zahnschmelz besteht nicht aus massivem Material, sondern ist von Tausenden feiner Dentinkanälchen durchzogen, die bis zum Pulpagewebe im Zahninneren reichen. Solange Schmelz und Zahnfleisch sie abdecken, merkt niemand etwas davon. Liegen die Kanälchen frei, wird jeder Temperatur- oder Berührungsreiz direkt nach innen weitergeleitet. Daraus entsteht der kurze, stechende Schmerz beim ersten Schluck Eistee, beim Einatmen kalter Luft oder beim Putzen mit lauwarmem Wasser. Medizinisch heißt das Dentinhypersensibilität, ein Schmerz, der nicht aus einem entzündeten Nerv kommt, sondern aus einer offenen Verbindung nach innen.

Empfindliche Zähne sind ein häufiger Grund für Vorstellungstermine in unserer Praxis in der Hildesheimer Straße 25 in Hannover-Südstadt. Wir hören die Beschwerden bei Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen, von Studierenden bis ins hohe Alter. Josina Altmann und das Behandlerteam der Zahnwelt Hannover ordnen die Empfindlichkeit nicht reflexhaft als Bagatelle ein, sondern unterscheiden zunächst, ob ein echter Zahnschmerz mit Behandlungsbedarf dahintersteckt oder eine oberflächliche Dentinhypersensibilität ohne strukturelle Schädigung. Diese Unterscheidung trägt die ganze weitere Therapie.

Wie der Schmerz physiologisch entsteht

Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz unseres Körpers, aber er bedeckt nur die Krone des Zahnes. Unterhalb des Zahnfleischrands beginnt das Wurzelzement, eine deutlich weichere Schicht, und darunter liegt das Dentin. Das Dentin ist von Tausenden Mikrokanälchen durchzogen, die zur Pulpa, dem Nerv-Gefäß-Bündel im Zahninneren, ziehen. Solange der Zahnhals von Zahnfleisch und intaktem Schmelz bedeckt ist, sind diese Kanälchen verschlossen. Sobald aber Schmelz fehlt, das Wurzelzement abradiert ist oder das Zahnfleisch zurückgewichen ist, liegen die Kanälchen frei.

Der Schmerz entsteht, wenn ein Reiz über die offenen Kanälchen einen Flüssigkeitsstrom in den Mikrokanälchen auslöst. Diese Bewegung reizt die Nervenfasern an der Pulpagrenze, das Gehirn registriert es als kurzen, scharfen Schmerz. Diese Erklärung heißt hydrodynamische Theorie nach Brännström, ist seit den 1960er Jahren etabliert und liefert die Grundlage für die meisten heute eingesetzten Therapieansätze: Wenn man die Kanälchen verschließt oder den Flüssigkeitsstrom dämpft, lässt der Schmerz nach.

Die häufigsten Ursachen aus unserer Praxis

Wenn Patientinnen und Patienten mit empfindlichen Zähnen kommen, finden wir bei der Untersuchung meist eine oder mehrere der folgenden Ursachen. An erster Stelle steht eine Zahnfleischrezession, ein Rückgang des Zahnfleischrandes, der den Zahnhals und die Wurzeloberfläche freilegt. Eine Rezession entsteht durch jahrelang zu kräftiges horizontales Putzen, durch eine zu harte Zahnbürste, durch fortgeschrittene Parodontitis oder durch eine ungünstige Zahnstellung mit dünner Knochenlamelle. Sie ist nicht reversibel, aber ihre Folgen lassen sich gut behandeln.

An zweiter Stelle stehen Erosionen durch Säure. Saure Getränke, vor allem Soft Drinks, Energy Drinks und Säfte mit hohem Zitrussäureanteil, lösen Kalzium aus dem Schmelz, der Schmelz wird dünner. Auch Sodbrennen mit chronischem Reflux, Bulimie oder häufiges Erbrechen führen zu Erosionen, vor allem an den Innenflächen der oberen Frontzähne. An dritter Stelle stehen Abrasionen, also der mechanische Abrieb des Zahnschmelzes. Wer mit einer harten Zahnbürste, viel Druck und horizontaler Schrubbtechnik putzt, schleift den Schmelz und das Wurzelzement förmlich weg, vor allem an den Außenflächen der Eckzähne und Prämolaren.

An vierter Stelle stehen nichtkariöse Zahnhalsdefekte, früher als Keilförmige Defekte beschrieben. Sie entstehen durch eine Kombination aus mechanischer Belastung beim Putzen und mikroskopischen Verbiegungen des Zahnhalses bei starker Kaubelastung, etwa bei Bruxismus. Wer nachts knirscht, beobachtet diese Defekte häufiger. Hier ist eine Aufbissschiene oder Knirschschiene oft Teil der Therapie. An fünfter Stelle stehen frische Zustände nach professioneller Zahnreinigung, nach Bleaching oder direkt nach einer Füllungstherapie. Diese Empfindlichkeit ist meist vorübergehend und klingt innerhalb von zwei bis vier Wochen ab.

Wann ein Schmerz mehr ist als eine Empfindlichkeit

Eine Dentinhypersensibilität klingt nach einer Sekunde wieder ab, ist auf einen klar definierbaren Reiz beschränkt und tritt nur dann auf, wenn dieser Reiz wirkt. Sobald ein Schmerz nachklingt, also über Sekunden bis Minuten weiter spürbar ist, sobald er spontan auftritt, sobald er nachts aus dem Schlaf weckt, oder sobald er auf Wärme stärker reagiert als auf Kälte, müssen wir einen anderen Befund in Betracht ziehen. Das kann eine tiefe Karies sein, eine bereits begonnene Pulpaentzündung, eine Wurzelfraktur oder eine apikale Beherdung. Diese Befunde gehören in eine Endodontie-Sprechstunde, weil eine reine Symptombehandlung mit speziellen Zahncremes hier nicht greift. Mehr zu dieser Behandlungsrichtung finden Sie in unserem Glossarbeitrag Endodontie.

Wir sehen in unserer Praxis nicht selten Patientinnen und Patienten, die monatelang mit einer Sensitiv-Zahnpasta gegen einen Schmerz angekämpft haben, der eigentlich aus einem entzündeten Nerv kam. Eine genaue Schmerzanamnese mit Charakter, Auslöser und Dauer ist daher der erste Schritt. Bei unklaren Befunden ergänzen wir Vitalitätsproben, eine Perkussionsprüfung und gegebenenfalls ein Röntgenbild oder eine digitale Aufnahme, um eine sichere Diagnose zu stellen.

Was zu Hause hilft

Wenn die Diagnose Dentinhypersensibilität lautet, gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen, die zu Hause spürbar helfen. Die wichtigste ist eine angepasste Putztechnik: keine harte Zahnbürste mehr, kein horizontales Schrubben, kein hoher Anpressdruck. Wir empfehlen weiche Borsten, eine kreisende oder rote-weiße Technik (vom Zahnfleisch zum Zahn) und idealerweise eine elektrische Zahnbürste mit Drucksensor, weil diese den Anpressdruck objektiv begrenzt. Eine Zahnpasta für empfindliche Zähne wirkt über zwei Mechanismen, je nach Wirkstoff. Die einen verschließen die Dentinkanälchen mechanisch mit Mineralpartikeln, die anderen blockieren die Reizweiterleitung über Kaliumverbindungen. Beide Mechanismen brauchen mehrere Tage bis Wochen regelmäßiger Anwendung, bis sie wirken.

Eine fluoridhaltige Mundspülung in den Abendstunden ergänzt die Putzpflege. Wer säurehaltige Lebensmittel konsumiert, sollte mindestens dreißig Minuten warten, bevor er die Zähne putzt, weil der weicher gewordene Schmelz sonst beim Putzen abgetragen wird. Statt direkt nach dem Genuss zu putzen, hilft schon ein Schluck Wasser, der die Säure neutralisiert. Wer nachts knirscht oder presst, profitiert oft von einer adjustierten Aufbissschiene, weil die Knirschbelastung an den Zahnhälsen die Empfindlichkeit verstärkt. Welcher Wirkmechanismus bei Ihrem Befund passt, klären wir gemeinsam beim nächsten Termin.

Was wir in der Praxis dazu tun können

In unserer Praxis arbeiten wir mit mehreren Werkzeugen, je nach Befund. Bei klar abgrenzbaren überempfindlichen Stellen tragen wir hochkonzentrierte Fluoridlacke auf, die die Dentinkanälchen verschließen und die Reizweiterleitung dämpfen. Diese Behandlung wiederholen wir bei jedem Recall-Termin und sehen in den meisten Fällen eine deutliche Linderung innerhalb weniger Tage. Bei stärker freiliegenden Zahnhälsen, vor allem mit beginnender keilförmiger Defektbildung, arbeiten wir mit fließfähigen Kompositen, mit denen wir den Defekt zahnfarben auffüllen und die exponierte Wurzeloberfläche dauerhaft abdecken. Diese Versorgung ist langlebig, ästhetisch unauffällig und in einer einzigen Sitzung machbar.

Bei großflächigen Erosionen kommen Komposit-Restaurationen oder bei stärkerer Substanzschädigung Inlays und Onlays zum Einsatz, um den Zahn vor weiterer Auflösung zu schützen. Mehr zu diesen Versorgungen finden Sie in unserem Glossarbeitrag Inlay und Onlay. Bei kombinierten Befunden, etwa mit Bruxismus, ergänzen wir eine harte Knirschschiene als Schutz für die Zahnhartsubstanz. Bei Patientinnen und Patienten, die gleichzeitig eine professionelle Zahnreinigung benötigen, planen wir die Sitzungen so, dass die empfindlichen Areale geschont werden, wir arbeiten mit speziellen Pulvern und führen Ultraschall- und Polituranteile in einer Reihenfolge, die die Beschwerden minimiert.

Was die Versorgung in Deutschland kostet

Die Diagnostik bei empfindlichen Zähnen ist Bestandteil der zahnärztlichen Untersuchung und wird über die Krankenkasse abgerechnet. Eine professionelle Fluoridlack-Behandlung an mehreren Zähnen ist im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung enthalten, die je nach Aufwand zwischen 60 und 120 Euro pro Sitzung kostet. Eine zahnfarbene Komposit-Restauration zur Versorgung eines freiliegenden Zahnhalses oder eines keilförmigen Defektes ist in den meisten Fällen eine Privatleistung nach GOZ und liegt je nach Aufwand zwischen 80 und 250 Euro pro Zahn. Eine adjustierte Aufbissschiene ist meist eine Sachleistung der gesetzlichen Krankenversicherung mit einem geringen Eigenanteil.

Die Kosten richten sich nach BEMA für gesetzlich Versicherte und der Gebührenordnung GOZ für privat berechnete Anteile. Den exakten Eigenanteil und einen eventuellen Kassenzuschuss kalkulieren wir vor der Behandlung gemeinsam in einem schriftlichen Heil- und Kostenplan. Eine Zusatzversicherung für hochwertige zahnärztliche Versorgungen erstattet keilförmige Defektaufbauten in vielen Tarifen anteilig.

Wie wir Sie in der Vorsorge begleiten

Empfindliche Zähne sind selten ein einmaliges Thema. Sie verändern sich mit Putzgewohnheiten, mit der Ernährung, mit dem Zustand des Zahnfleischs. Wir verstehen unsere Aufgabe deshalb nicht in einer Einzelbehandlung, sondern in einer fortlaufenden Begleitung. Bei jedem Recall fragen wir nach, ob die Empfindlichkeit zurückgekommen ist, ob neue Stellen dazugekommen sind und ob die Zahnpasta für empfindliche Zähne weiterhin den gewünschten Effekt zeigt. Wir passen die Vorsorge an Ihre Lebenssituation an, bei jüngeren Patientinnen und Patienten häufig mit Fokus auf Erosionsschutz, bei älteren Patientinnen und Patienten häufig mit Fokus auf Wurzelschutz und Schienenversorgung. Welche Maßnahmen für Ihren Befund tragen, klären wir gemeinsam in der Hildesheimer Straße 25 in Hannover-Südstadt.

Dieser Beitrag ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Ob die hier beschriebene Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist und welcher Behandlungsweg zu Ihrer individuellen Situation passt, klären wir gemeinsam mit Ihnen anhand des Befunds in einem persönlichen Termin in der Hildesheimer Straße 25 in Hannover-Südstadt.

Häufig gestellte Fragen

Sind empfindliche Zähne ein Alarmzeichen für Karies?

Nicht zwingend. Eine Dentinhypersensibilität klingt nach einer Sekunde wieder ab und ist auf einen klar definierbaren Reiz beschränkt. Karies oder eine beginnende Pulpaentzündung verursachen häufig nachklingende oder spontane Schmerzen, oft auf Wärme stärker als auf Kälte. Wenn ein Schmerz nachts auftritt oder lange anhält, ist eine zahnärztliche Abklärung dringend.

Welche Zahnpasta hilft wirklich gegen empfindliche Zähne?

Die meisten Sensitiv-Zahnpasten wirken über zwei Mechanismen. Sie verschließen entweder die Dentinkanälchen mit Mineralpartikeln oder sie blockieren die Reizweiterleitung über Kaliumverbindungen. Beide Wirkprinzipien brauchen regelmäßige Anwendung über mehrere Tage bis Wochen, bis sie spürbar wirken. Welche Variante zu Ihrem Befund passt, besprechen wir gemeinsam.

Können empfindliche Zähne dauerhaft verschwinden?

Ja, in vielen Fällen. Wenn die Ursache erkannt und behandelt wird, etwa durch eine angepasste Putztechnik, einen Fluoridlack in der Praxis oder eine Komposit-Versorgung freiliegender Zahnhälse, klingt die Empfindlichkeit häufig dauerhaft ab. Wer aber weiterhin zu kräftig putzt oder säurehaltige Getränke häufig konsumiert, kann ein Wiederauftreten provozieren.

Hilft eine Knirschschiene bei empfindlichen Zähnen?

Bei Patientinnen und Patienten mit Bruxismus, also nächtlichem Knirschen oder Pressen, ist eine adjustierte Aufbissschiene ein wichtiger Baustein. Die Schiene reduziert die Belastung an den Zahnhälsen und verhindert die Entstehung neuer keilförmiger Defekte. In Kombination mit Fluoridlack und einer angepassten Putztechnik bringt sie häufig den entscheidenden Effekt.

Was übernimmt die Krankenkasse?

Die zahnärztliche Untersuchung und die Diagnostik sind Bestandteil der gesetzlichen Leistungen. Eine professionelle Zahnreinigung ist in den meisten Fällen eine Privatleistung, die viele Krankenkassen bezuschussen. Eine zahnfarbene Komposit-Restauration zur Versorgung eines freiliegenden Zahnhalses ist in der Regel eine Privatleistung nach GOZ. Den exakten Eigenanteil kalkulieren wir vor der Behandlung gemeinsam.

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