Karies
Was bei Karies zerstört wird, ist Zahnhartsubstanz, und zwar durch Säuren, die Bakterien im Zahnbelag aus Zucker bilden. Die Erkrankung verläuft in Stadien, vom entkalkten Fleck bis zum Loch im Zahn.
Was bei Karies zerstört wird, ist Zahnhartsubstanz, und zwar durch Säuren, die Bakterien im Zahnbelag aus Zucker bilden. Die Erkrankung verläuft in Stadien, vom entkalkten Fleck bis zum Loch im Zahn.
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Karies entsteht, wenn Bakterien im Zahnbelag Zucker zu Säure verstoffwechseln und Mineralien aus dem Schmelz lösen. Was dabei den Ausschlag gibt, ist die Häufigkeit der Zuckerkontakte und nicht die Gesamtmenge. Solange die Oberfläche geschlossen ist, kann die Stelle mit Fluorid wieder aushärten. Schmerz ist ein spätes Signal.
Beim Kontrolltermin zeigt der Bildschirm eine dunkle Stelle zwischen zwei Backenzähnen, an einer Stelle, die der Patientin nie aufgefallen ist. Sie hat keine Schmerzen, sie putzt zweimal täglich, und trotzdem sitzt dort ein Defekt. Was hier auseinanderfällt, sind Beschwerden und Befund, und der Befund kommt fast immer zuerst.
Karies entsteht nicht durch Zucker allein und nicht durch Bakterien allein, sondern durch das Zusammenspiel von vier Faktoren: Zahnhartsubstanz, Bakterien im Zahnbelag, vergärbare Kohlenhydrate und Zeit. Die Bakterien im Biofilm verstoffwechseln Zucker zu Säuren, der pH-Wert an der Zahnoberfläche sinkt, und unterhalb eines kritischen Werts lösen sich Mineralien aus dem Zahnschmelz. Dieser Vorgang heißt Demineralisation. Er läuft bei jedem Menschen mehrmals täglich ab und ist für sich genommen noch kein Schaden, denn erst wenn er häufiger stattfindet als die Gegenbewegung, entsteht ein Defekt.
Nach jeder zuckerhaltigen Mahlzeit fällt der pH-Wert im Belag ab, und was danach geschieht, ist entscheidend: Der Speichel neutralisiert die Säure über etwa dreißig bis sechzig Minuten und führt Mineralien zurück an die Oberfläche. Dieser Vorgang heißt Remineralisation, und im Idealfall gleichen sich beide Prozesse aus.
Daraus folgt eine Erkenntnis, die den meisten neu ist: Eine ganze Tafel Schokolade auf einmal ist für die Zähne weniger schädlich als sechs einzelne Bonbons über den Tag verteilt. Bei jedem Zwischendurch beginnt der Säureangriff von vorn, und der Speichel kommt nicht mehr hinterher. Besonders ungünstig sind gesüßte Getränke, die in kleinen Schlucken über Stunden getrunken werden, sowie zuckerhaltige Getränke am Abend, weil der Speichelfluss im Schlaf stark zurückgeht. Aus demselben Grund ist das Zähneputzen vor dem Schlafengehen wichtiger als jedes andere am Tag, denn in den folgenden Stunden fehlt die schützende Wirkung des Speichels fast vollständig.
Am Anfang steht die Initialkaries, sichtbar als kreidig-weißer Fleck auf dem Zahnschmelz, dessen Oberfläche noch geschlossen ist. Was diesen Zustand auszeichnet, ist seine Umkehrbarkeit: Mit Fluorid, verändertem Zwischendurch-Verhalten und gründlicher Reinigung kann die Stelle wieder aushärten. Hier wird nicht gebohrt.
Bricht die Oberfläche ein, entsteht die Schmelzkaries mit einem echten Defekt, der noch auf den Schmelz begrenzt bleibt. Erreicht die Karies die darunterliegende Schicht, spricht man von Dentinkaries. Dentin ist weicher und von feinen Kanälchen durchzogen, in denen Bakterien schneller vorankommen, weshalb sich der Defekt in der Tiefe oft weiter ausbreitet als es an der Oberfläche aussieht. Erreicht sie den Zahnnerv, folgt eine Pulpitis mit den bekannten nächtlichen Schmerzen. Zwischen der ersten sichtbaren Entkalkung und diesem Punkt können Jahre liegen, bei hoher Kariesaktivität aber auch nur wenige Monate.
Zahnschmelz enthält keine Nerven, und was daraus folgt, ist die stille Anfangsphase: Solange die Karies auf den Schmelz begrenzt ist, spürt niemand etwas. Erst wenn das Dentin erreicht ist, können Reize über die Kanälchen zur Pulpa weitergeleitet werden, und dann zeigt sich zuerst eine Empfindlichkeit auf Süßes und Kaltes.
Deshalb ist Schmerz ein spätes und unzuverlässiges Signal. Hinzu kommt die Lage: Karies beginnt bevorzugt an Stellen, die weder sichtbar noch gut zu reinigen sind, also in den Zahnzwischenräumen, in den tiefen Rillen der Kauflächen und an Kronen- oder Füllungsrändern. Ein Defekt zwischen zwei Backenzähnen kann bereits das Dentin erreicht haben, während die Kaufläche völlig unauffällig aussieht. Sichtbar wird er dort nur im Röntgenbild. Das erklärt, warum ein Befund für viele überraschend kommt, obwohl sie nichts falsch gemacht zu haben glauben: Die betroffenen Flächen sind schlicht die, die niemand sieht und die keine Zahnbürste erreicht.
Die Untersuchung beginnt mit dem systematischen Blick auf gereinigte und getrocknete Zähne, denn was auf einer feuchten Oberfläche unsichtbar bleibt, zeichnet sich nach dem Trocknen als weißliche Veränderung ab. Ergänzend tasten wir Fissuren vorsichtig ab, ohne mit spitzen Instrumenten in eine noch geschlossene Oberfläche zu drücken.
Für die Zwischenräume ist das digitale Röntgenbild unverzichtbar, weil sich Defekte dort visuell nicht beurteilen lassen. Wir setzen es risikoorientiert ein, also häufiger bei hoher Kariesaktivität und seltener bei stabilen Verhältnissen. Anschließend ordnen wir jeden Befund einer Kategorie zu: beobachten, remineralisieren oder füllen. Diese Zuordnung hängt nicht nur von der Tiefe ab, sondern auch davon, ob die Läsion aktiv fortschreitet oder zum Stillstand gekommen ist. Eine inaktive, harte und dunkel verfärbte Stelle kann jahrelang unverändert bleiben und braucht dann keine Füllung, sondern nur eine Kontrolle im Verlauf.
Bei einer Initialkaries wird nicht gebohrt, sondern remineralisiert. Was dabei wirkt, ist hochkonzentriertes Fluorid in Verbindung mit einer veränderten Reinigung der betroffenen Stelle und weniger häufigen Zuckerkontakten. Wir kontrollieren die Stelle in kürzeren Abständen und dokumentieren, ob sie sich verändert.
Ist die Oberfläche eingebrochen, entfernen wir die kariös veränderte Substanz substanzschonend und verschließen den Defekt mit einer adhäsiven Kompositfüllung unter Trockenlegung mit Kofferdam. Bei sehr tiefen Defekten in Nervnähe legen wir eine schützende Unterfüllung ein, damit die Pulpa nicht zusätzlich gereizt wird. Reicht zu wenig stabile Substanz für eine Füllung, folgt ein Inlay oder eine Krone. Wie viel Substanz erhalten bleibt, entscheidet sich dabei weniger am Material als am Zeitpunkt: Je früher ein Defekt versorgt wird, desto kleiner fällt die Versorgung aus.
Vorbeugung besteht aus drei Teilen, und was sie gemeinsam bewirken, ist mehr als jeder einzelne für sich. Der erste ist die tägliche Störung des Biofilms, wobei die Zwischenräume den Unterschied machen, weil dort ein erheblicher Teil aller Defekte entsteht und die Zahnbürste nicht hinkommt.
Der zweite ist Fluorid, das den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Säure macht und die Remineralisation unterstützt, über Zahnpasta in altersgerechter Konzentration und bei erhöhtem Risiko zusätzlich als Gel oder Lack. Der dritte ist die Zahl der Zuckerkontakte pro Tag, nicht die Gesamtmenge. Ergänzend schützt eine Fissurenversiegelung die tiefen Rillen der bleibenden Backenzähne bei Kindern. Welche Abstände zwischen den Kontrollen sinnvoll sind, richtet sich nach Ihrem Risikoprofil und nicht nach einem festen Kalender. Wer über Jahre stabile Verhältnisse zeigt, braucht seltener eine Kontrolle als jemand mit mehreren aktiven Läsionen im selben Zeitraum. Diese drei Teile wirken zusammen, und keiner von ihnen ersetzt einen anderen: Fluorid gleicht mangelnde Reinigung nicht aus, und gründliches Putzen macht häufige Zuckerkontakte nicht folgenlos.
Milchzähne haben dünneren Schmelz und ein größeres Pulpakavum als bleibende Zähne, und was daraus folgt, ist Tempo: Eine Karies erreicht dort den Nerv deutlich schneller. Die verbreitete Annahme, ein Milchzahn falle ohnehin aus und müsse nicht behandelt werden, geht deshalb an der Sache vorbei.
Ein entzündeter Milchzahn kann Schmerzen verursachen, das Kauen einschränken und den darunter liegenden bleibenden Zahn schädigen. Geht er zu früh verloren, wandern die Nachbarzähne in die Lücke, und dem Nachfolger fehlt später der Platz. Besondere Aufmerksamkeit gilt der frühkindlichen Karies durch dauerndes Nuckeln an gesüßten Getränken. In der Zahnzauberwelt arbeiten wir deshalb früh und ohne Druck, damit der erste Kontakt mit der Praxis nicht mit Schmerz verbunden ist. Für Eltern ist dabei die wichtigste Regel unspektakulär: Alles außer Wasser und ungesüßtem Tee gehört nicht in die Nuckelflasche und nicht in den Trinklernbecher für zwischendurch.
Die Untersuchung, die Diagnostik einschließlich Röntgen und die Versorgung eines kariösen Zahns mit einer zahnfarbenen Füllung gehören bei gesetzlich Versicherten zum Leistungsumfang der Krankenkasse. Was seit dem Amalgamverbot einfacher geworden ist: Die Regelversorgung ist heute eine zahnfarbene Füllung, im Front- wie im Seitenzahnbereich.
Mehrkosten entstehen erst bei aufwendigeren Techniken oder bei laborgefertigten Versorgungen, etwa einem Keramikinlay mit üblichen Beträgen ab etwa 350 bis 700 Euro je Versorgung. Ebenfalls privat berechnet werden Vorsorgeleistungen über den Kassenumfang hinaus, etwa die professionelle Zahnreinigung bei Erwachsenen. Die Kosten richten sich nach BEMA für gesetzlich Versicherte und der Gebührenordnung GOZ für privat berechnete Anteile. Den exakten Eigenanteil und einen eventuellen Kassenzuschuss kalkulieren wir vor der Behandlung gemeinsam in einem schriftlichen Heil- und Kostenplan.
Dieser Beitrag ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Ob die hier beschriebene Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist und welcher Behandlungsweg zu Ihrer individuellen Situation passt, klären wir gemeinsam mit Ihnen anhand des Befunds in einem persönlichen Termin in der Hildesheimer Straße 25 in Hannover-Südstadt.
Was im frühen Stadium noch möglich ist, ist die Ausheilung ganz ohne Bohrer. Solange die Entkalkung auf den Schmelz begrenzt ist und die Oberfläche geschlossen bleibt, kann die Stelle mit Fluorid, gründlicher Reinigung und weniger häufigen Zuckerkontakten wieder aushärten. Sobald die Oberfläche eingebrochen ist, ist dieser Weg verschlossen und eine Füllung nötig.
Was dem Zahnschmelz fehlt, sind Nerven. Solange der Defekt auf den Schmelz begrenzt bleibt, spürt niemand etwas davon. Erst im Dentin werden Reize über feine Kanälchen zur Pulpa geleitet, und dann zeigt sich zunächst eine Empfindlichkeit auf Süßes und Kaltes. Schmerz ist also ein spätes und unzuverlässiges Signal.
Nein, es braucht vier Faktoren zusammen: Zahnhartsubstanz, Bakterien im Belag, vergärbare Kohlenhydrate und Zeit. Was dabei am stärksten wirkt, ist die Häufigkeit der Zuckerkontakte, nicht die Gesamtmenge, weil der Speichel nach jedem Kontakt etwa dreißig bis sechzig Minuten zum Neutralisieren braucht.
Ja, und was den Unterschied zum bleibenden Zahn ausmacht, ist die Bauweise. Milchzähne haben dünneren Schmelz und ein größeres Pulpakavum, deshalb erreicht Karies dort den Nerv schneller. Ein entzündeter Milchzahn schmerzt, schränkt das Kauen ein und kann den nachfolgenden bleibenden Zahn schädigen. Geht er zu früh verloren, fehlt dem Nachfolger später der Platz.
Was den Abstand bestimmt, ist Ihr persönliches Kariesrisiko und nicht ein fester Kalender. Bei hoher Aktivität röntgen wir häufiger, bei stabilen Verhältnissen deutlich seltener. Für die Zwischenräume ist das Röntgenbild unverzichtbar, weil sich ein Defekt dort mit bloßem Auge nicht beurteilen lässt.
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