Was eine Knirschschiene ist und was sie im Kiefer verändert
Auf der Kaufläche eines Eckzahns sitzt eine glatte, glänzende Fläche, die dort nicht hingehört. Sie ist eben, sie hat scharfe Ränder, und wenn der Kiefer zur Seite geführt wird, legt sich exakt die gegenüberliegende Fläche des Unterkiefer-Eckzahns darauf. Zwei Flächen, die zueinander passen wie zwei Teile eines Werkzeugs. Solche Schlifffacetten entstehen nicht beim Kauen. Sie entstehen, wenn Zähne über Monate mit hoher Kraft aufeinander bewegt werden, meist nachts und ohne dass die betroffene Person davon weiß.
Eine Knirschschiene ist die Antwort auf dieses Kräftespiel. Sie ist eine individuell gefertigte Schiene aus hartem Kunststoff, die den Zahnbogen eines Kiefers überzieht und nachts getragen wird. Oberkiefer und Unterkiefer treffen dann nicht mehr Zahn auf Zahn, sondern Zahn auf eine glatte, definierte Kunststofffläche. Die Kraft bleibt, aber sie verteilt sich anders und trifft ein Material, das ersetzbar ist. Die Schiene ist ein Verschleißteil, und das ist ihr Sinn: Sie nimmt den Abrieb auf, den sonst der Zahnschmelz aufnehmen würde, und Zahnschmelz wächst nicht nach.
In der Zahnwelt Hannover in der Hildesheimer Straße 25 sehen wir Bruxismus quer durch alle Altersgruppen. Auffällig oft kommt der erste Hinweis nicht von der betroffenen Person selbst, sondern aus dem Schlafzimmer nebenan oder von der Kontrolluntersuchung, bei der uns die Facetten auffallen, bevor irgendetwas wehtut.
Woran wir Bruxismus erkennen
Der Befund am Zahn ist der zuverlässigste Hinweis. Wir suchen nach flachen, glänzenden Facetten, die sich zwischen Ober- und Unterkiefer zur Deckung bringen lassen, nach abgeplatzten Schmelzkanten an den Schneidezähnen und nach keilförmigen Defekten am Zahnhals, die bei starker Biegebelastung entstehen können. Auch Risse im Schmelz, sichtbar bei seitlicher Beleuchtung, gehören zu diesem Bild.
Dazu kommen Zeichen, die außerhalb der Zähne liegen. Ein verbreiterter Kaumuskel an der Wange, druckempfindlich beim Zusammenbeißen, ist ein häufiger Begleiter. Viele Betroffene berichten von morgendlicher Kieferverspannung, von Kopfschmerzen im Schläfenbereich direkt nach dem Aufwachen oder von einem Knacken im Kiefergelenk beim weiten Öffnen. Manche bemerken Abdrücke der Zähne an den Zungenrändern oder eine eingebissene Linie an der Wangeninnenseite.
Was diese Zeichen nicht liefern, ist eine Ursache. Bruxismus ist keine eigenständige Krankheit mit einem einzigen Auslöser, sondern ein Verhalten, an dem mehrere Faktoren beteiligt sein können: Anspannung und Belastungsphasen, Schlafqualität, bestimmte Medikamente und Genussmittel, sowie in manchen Fällen Störkontakte im Biss, etwa eine zu hohe Füllung oder eine Krone, die den Kiefer beim Zusammenbeißen ausweichen lässt. Deshalb prüfen wir vor jeder Schiene, ob der Biss selbst einen Anteil hat, denn ein Störkontakt lässt sich in wenigen Minuten korrigieren.
Warum die Schiene die Zähne schützt und das Knirschen nicht abstellt
An dieser Stelle entsteht die häufigste Fehlerwartung, und sie ist ausgeräumt, bevor die Schiene das erste Mal getragen wird. Eine Knirschschiene beendet den Bruxismus nicht. Das Verhalten entsteht im zentralen Nervensystem, nicht im Mund, und eine Schiene erreicht diese Ebene nicht. Was sie leistet, ist der Schutz der Zahnhartsubstanz und die Entlastung des Systems aus Muskeln und Gelenken.
Diese Entlastung ist gut erklärbar. Durch die Höhe der Schiene stehen die Kiefer in einer leicht geöffneten Position, in der die Kaumuskulatur weniger Kraft aufbauen kann als bei vollständig geschlossener Zahnreihe. Zugleich bietet die glatte Oberfläche keine ineinandergreifenden Höcker mehr, an denen sich der Unterkiefer verhaken und verkanten kann. Der Kiefer gleitet, statt zu blockieren. Viele Patientinnen und Patienten berichten deshalb bereits nach wenigen Wochen von weniger morgendlicher Verspannung, während das Knirschen selbst weiterbesteht.
Wer die Ursache angehen will, braucht deshalb meist mehr als die Schiene. Je nach Situation kommen Entspannungsverfahren, Physiotherapie für die Kaumuskulatur, eine Überprüfung der Schlafqualität oder die Behandlung von Störkontakten hinzu. Die Schiene sichert in dieser Zeit die Substanz, und das ist der Grund, warum wir sie früh einsetzen und nicht erst, wenn die Schneidekanten bereits sichtbar verkürzt sind.
Welche Bauarten sich unterscheiden lassen
Die Bauart mit der breitesten Anwendung ist die adjustierte Aufbissschiene aus hartem Kunststoff, häufig als Michigan-Schiene bezeichnet. Sie wird im Labor auf Modellen des eigenen Gebisses hergestellt und anschließend im Mund eingeschliffen, bis alle Zähne des Gegenkiefers gleichmäßig Kontakt haben und die Führung beim seitlichen Bewegen definiert ist. Dieses Einschleifen ist kein Nachbessern, sondern Teil der Herstellung.
Weiche Schienen aus flexiblem Material sind angenehmer beim Eingewöhnen, haben bei ausgeprägtem Bruxismus aber einen Nachteil: Das nachgiebige Material kann zum Zubeißen einladen und die Muskelaktivität in manchen Fällen eher erhöhen als senken. Wir setzen sie deshalb gezielt ein, etwa kurzfristig oder bei bestimmten Befunden, und nicht als Standard.
Vorgefertigte Schienen zum Selbstanpassen aus dem Handel unterscheiden sich von einer laborgefertigten Schiene in einem Punkt, der sich nicht umgehen lässt: Sie bilden die individuelle Verzahnung nicht ab. Liegt eine solche Schiene nur auf einzelnen Zähnen auf, wirkt die Kraft punktuell statt verteilt. Bei längerem Tragen können unerwünschte Zahnbewegungen entstehen, wenn einzelne Zähne dauerhaft belastet und andere entlastet werden. Wenn Sie bereits eine solche Schiene tragen, bringen Sie sie zum Termin mit. Wir sehen uns die Auflagepunkte an und ordnen ein, ob sie in Ihrem Fall schadet oder ob sie als Übergang vertretbar ist.
Von der Knirschschiene abzugrenzen ist die Schnarchschiene. Sie sieht ähnlich aus, verfolgt aber ein anderes Ziel: Sie verlagert den Unterkiefer nach vorn, um die oberen Atemwege offen zu halten. Eine Knirschschiene tut das nicht, und eine Schnarchschiene ersetzt sie nicht.
Wie eine Knirschschiene entsteht
Am Anfang steht die Befundaufnahme: die Beurteilung der Zähne und ihrer Facetten, das Abtasten der Kaumuskulatur, die Prüfung der Kiefergelenke beim Öffnen und Schließen sowie eine Kontrolle der Bisskontakte mit Okklusionsfolie. Zeigt der Befund Hinweise auf eine ausgeprägtere Funktionsstörung, erweitern wir die Diagnostik entsprechend.
Für das Modell nehmen wir den Kiefer auf. In der Zahnwelt Hannover arbeiten wir dafür bevorzugt mit dem Intraoralscanner, also mit einer digitalen Abformung statt mit Abformmasse. Für Patientinnen und Patienten mit ausgeprägtem Würgereiz ist das ein spürbarer Unterschied, weil kein Löffel mit Material im Mund verbleiben muss. Zusätzlich registrieren wir die Beziehung beider Kiefer zueinander, denn ohne diese Information kann das Labor die Höhe der Schiene nicht korrekt festlegen.
Nach der Herstellung folgt der wichtigste Termin: das Einsetzen. Wir prüfen den Sitz, kontrollieren mit Okklusionsfolie, ob alle Zähne des Gegenkiefers gleichmäßig auftreffen, und schleifen so lange ein, bis die Führung stimmt. Eine Schiene, die nur auf zwei Zähnen trägt, verschiebt das Problem, statt es zu lösen. Nach einigen Wochen sehen wir die Schiene erneut an, weil sich die Muskulatur in dieser Zeit entspannt und sich die Kontakte dadurch verändern können.
Wie eine Knirschschiene gepflegt wird und wie lange sie hält
Die Schiene wird nach dem Herausnehmen mit kaltem Wasser und einer weichen Bürste gereinigt und trocken aufbewahrt. Heißes Wasser ist zu vermeiden, weil sich der Kunststoff verziehen kann und die Schiene dann nicht mehr passt. Zahnpasta enthält Putzkörper, die die Oberfläche mit der Zeit aufrauen, deshalb eignet sich zur Reinigung besser ein mildes Mittel ohne Abrasivstoffe. Einmal wöchentlich hilft ein Reinigungsbad gegen Beläge.
Wie lange eine Schiene hält, hängt vor allem von der Kraft ab, mit der auf sie eingewirkt wird. Bei starkem Bruxismus kann eine Schiene bereits nach ein bis zwei Jahren so weit durchgerieben sein, dass sie ersetzt werden muss, bei geringerer Aktivität hält sie deutlich länger. Wir sehen sie uns bei jeder Kontrolle an. Ein Loch in der Schiene ist kein Mangel der Arbeit, sondern der sichtbare Beweis, dass sie genau die Substanz aufgenommen hat, die sonst am Zahn gefehlt hätte.
Was eine Knirschschiene kostet
Bei einem entsprechenden zahnmedizinischen Befund ist die Aufbissschiene eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, wenn eine Funktionsstörung diagnostiziert ist. Für aufwendigere Ausführungen, für eine erweiterte Funktionsdiagnostik oder für privat berechnete Anteile liegt der Betrag für eine laborgefertigte Schiene typischerweise zwischen 300 und 600 Euro. Der Anteil für die Funktionsdiagnostik bewegt sich bei einer Initialdiagnostik in einem Bereich ab etwa 250 bis 600 Euro, wenn sie erforderlich ist.
Die Kosten richten sich nach BEMA für gesetzlich Versicherte und der Gebührenordnung GOZ für privat berechnete Anteile. Den exakten Eigenanteil und einen eventuellen Kassenzuschuss kalkulieren wir vor der Behandlung gemeinsam in einem schriftlichen Heil- und Kostenplan. Diesem Betrag gegenüber steht der Aufwand, den ein durch Abrieb verkürzter Zahnbogen später verursacht, denn dessen Wiederaufbau mit Kronen oder anderem Zahnersatz bewegt sich in einer anderen Größenordnung.
Wie wir in der Zahnwelt Hannover vorgehen
Wir beginnen nicht mit der Schiene, sondern mit der Frage, was die Zähne belastet. Zeigt die Kontrolle einen Störkontakt, korrigieren wir ihn. Zeigt sie beginnende Facetten ohne Beschwerden, dokumentieren wir den Ausgangszustand mit Fotos, damit sich der Verlauf über die nächsten Kontrollen beurteilen lässt, statt auf Erinnerung angewiesen zu sein. Zeigt sie ausgeprägten Abrieb, Muskelbeschwerden oder Gelenkgeräusche, planen wir die Schiene.
Die Diagnostik und die Nachsorge übernehmen die Zahnärztinnen und Zahnärzte unseres Teams. Für den Termin selbst gilt dasselbe wie bei allen längeren Behandlungen: Wer angespannt ist, kann ihn auf Wunsch mit Lachgas begleiten lassen. Wenn Sie unsicher sind, ob das nächtliche Geräusch, das Ihr Partner oder Ihre Partnerin hört, überhaupt Bruxismus ist, ist das ein guter Anlass für eine Kontrolle. Ausführlicher haben wir das Thema in unserem Beitrag Zähneknirschen und Bruxismus beschrieben.
Dieser Beitrag ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Ob die hier beschriebene Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist und welcher Behandlungsweg zu Ihrer individuellen Situation passt, klären wir gemeinsam mit Ihnen anhand des Befunds in einem persönlichen Termin in der Hildesheimer Straße 25 in Hannover-Südstadt.